Kaum ist das Rättchen meines Lebens wieder in selbiges getreten, stellt Fridolin alles auf den Kopf. Nachdem er sich noch nicht wieder ins Kloster zurücktraut (auch dort hatte man kummervoll seinen ungeklärten Abgang verzeichnet), gastiert er mit seinen Abenteuergeschichten bei mir. Er fährt mit dem kleinen hölzernen Krippen-Karussell und versucht sich als Squatter des rotweißen Porzellan-Häuschens, in das eigentlich ausschließlich Teelichter gehören.
Seit gestern gibt er’s etwas dezenter: Ein Virus hat ihn erwischt, kurzatmig verkriecht er sich im Adventkranz und gibt mit matter Stimme bekannt, dass nun die Phase Eins abgeschlossen sei.
Phase eins?
Diese, so erläutert er, wird gefolgt von Phase Zwei, in der die Krankheit vollends Besitz von seinem rättischen Frohsinn ergreift, er werde unleidlich sein, verheißt er, und ich sei gut beraten, mich sämtlicher infantilisierenden Zuwendung zu enthalten, wolle ich nicht lebenslange Andenken an seine scharfen Zähnchen davon tragen.
Ganz neue Töne! Hatte er nicht bislang alles an Aufmerksamkeit und Fürsorge abgegriffen, was sein entzündetes Schnäuzchen auch nur beim mitfühlenden Beobachter auslösen mochte?
Die Zeiten haben sich geändert, schnieft er, er sei auf den entbehrungsreichen Reisen durch das adventliche Salzburg ganz auf sich selbst gestellt gewesen. Außerdem werde er einen Survival-Ratgeber schreiben und sein Wissen an Generationen heimatloser Nager weitergeben.
„Schon recht!“ sage ich. „Wir wissen alle, wie hart du bist, Fridolin.“
Er schnauft mühsam und rollt sich in eine Kugel des Weltschmerzes zusammen. Kein Massieren des Wanstes ist angezeigt. Er murmelt etwas von Charakterpanzer, den er sich zugelegt habe (eine Wortschöpfung von Wilhelm Reich). Unter ungünstigen Bedingungen erwerbe ein Lebewesen vorzeitig Stärken, im Tierreich unter Notreifung bekannt.
„Soll ich dir was vom Thailänder bestellen?“ frage ich.
„Nummer dreizehn und neunzehn“, röchelt er. „Und nimm auf dem Rückweg einen Hustensaft mit.“







