Bilderbuchherbst da draußen, so, wie wir ihn in der Zeichenstunde mit sechs Jahren gemalt haben, eine eifrige Zunge stiehlt sich aus dem Mundwinkel, Buntstifte- und Ölkreiden-Geruch, und die Welt ist gut – aber für mich hat die Welt ein rattenförmiges Loch, seit Fridolin einen Drachen aus Seidenpapier bestiegen hat und damit in die unendlichen Weiten des Salzburger Sturmhimmels geflogen ist.
Ist ihm dabei der Gedanke gekommen, ich könnte vereinsamen ohne seine respektlosen Interpretationen genuin menschlicher Nöte? Würde er zurückkehren, wenn er es könnte, mein kleiner Münchhausen, einen Sack voller Lügengeschichten dabei, in denen er endlich der Held ist, der zu werden ein missgünstiges Geschick ihm verwehrt hat? Würde er meinetwegen zurückkommen? Wieder einmal ist meine Aufmerksamkeit auf die Wahrnehmung schwarzweiß gefleckter Wänste gerichtet, die unter Schmatzgeräuschen vielleicht aus einem Futterhäuschen ragen, während empört-filigrane Meisen und Rotfinken hilflos dem Raub ihrer Futterkörner zusehen müssen.
Wohin soll ich den Blick heben? Haben die Eichhörnchen zu guter Letzt dem nach Höheren strebenden Rätterich, der sie doch stets heimlich um ihre roten Röcke und flauschigen Schwänze beneidete, eine Heimat angeboten, vielleicht, nachdem er mit seinem Drachen in einem Baumwipfel gestrandet war, solcherart seine Eignung für das Leben auf Bäumen unter Beweis stellend?
Ich weiß es nicht.
Ich weiß nur eines: Sollte Fridolin zu mir zurückkehren, wird er mir Geschichten mitbringen, bunt wie das Herbstlaub und leicht wie ein Papierdrachen.
